Übernachten in Schweden mit Wohnmobil und Fahrrad - Zelten, Campen und Stehen entsprechend dem `Allemansrätt´(Jedermannsrecht)

Sie sind hier: Reiseführer - Schweden - übernachten, zelten oder campen entsprechend dem schwedischen Jedermannsrecht (`Allemansrätt´)

die rechtliche Seite: Das `Allemansrätt´ in Schweden

Die amtliche Übersetzung ins Deutsche gibts beim Naturvardsverket in Stockholm, im Buchhandel u.a. erhältlich unter der ISBN-Nummer 978-91-620-8529-2

Nachfolgender Text ist einer Broschüre des Tourismusverbandes von Östergötland entnommen, erhältlich in allen Touristinformationen der Region:

Das Jedermannsrecht gibt Einheimischen und Reisenden die einzigartige Möglichkeit, sich frei in der Natur zu bewegen. Es gilt sowohl auf dem Land wie auch auf dem Wasser, d.h. man kann sich fast überall an den Küsten, Seen und Gewässern fortbewegen, an den Ufern schwimmen, Fahrradfahren oder mit dem Wohnmobil fahren.
In Uferschutzgebieten, Nationalparks, Naturreservaten, Naturschutzgebieten (u.a. `Natura 2000-Gebiete´) und anderen geschützen Gebieten (z.B. UNESCO-Weltkulturerbe bzw. Weltnaturerbe etc.) gelten besondere Regeln (Zelten bzw. Campen, Feuer machen etc.). Manchmal gilt das Jedermannsrecht hier nur eingeschränkt, manchmal wurde es erweitert. Infos dazu gibt es z.B. in den einzelnen Broschüren zu den Arealen, am Eingang der Areale auf den Info-Tafeln usw. Bestimmte Orte insbesondere in den Schärengebieten sind als Vogelschutzgebiete ausgewiesen. Diese dürfen in keinem Fall betreten werden! Vom Wasser aus ist ein Abstand von mindestens 100 Metern einzuhalten.

Rastplätze / Zeltplätze / Stellplätze

  • Übernachten Sie nur auf ausgewiesenen Lagerplätzen mit Feuerstelle, Mülleimer und Campingtoilette. Sind Sie mit Ihrem Wohnmobil autark, d.h. haben Sie eigene Lager- oder Entsorgungsmöglichkeiten (Mülleimer, WC) etc. an Bord, dann haben Sie ggfs. kein Problem.
  • Wählen Sie nur solche Plätze aus, auf denen keine Anwohner wie auch immer durch Sie gestört werden (Sicht, Lärm, Rauch, andere Emissionen).
  • Wenn Sie länger als 24 Stunden an gleichem Ort campen bzw. stehen möchten, müssen Sie den Grundbesitzer um Erlaubnis bitten.
  • Hinterlassen Sie keine Spuren auf dem Rastplatz: Nehmen Sie alle Abfälle mit. Legen Sie keine Müllsäcke neben überfüllte Mülleimer, da Tiere dadurch zu Schaden kommen können.
  • Ist kein WC auf dem Campingplatz/Rastplatz vorhanden, so graben Sie eine Grube, die sie anschließend wieder vollständig zuwerfen. Haben Sie also immer einen Spaten o.ä. dabei. Tiere verteilen ansonsten z.B. das Toilettenpapier und verunstalten so unbewußt den Platz, auch wenn Sie ihn zunächst ordentlich verlassen haben.

Feuer machen

  • Während des Sommers herrscht oft Feuerverbot, auch wenn die Wälder und Natur ringsherum auf den ersten Blick grün und saftig aussieht. Dann darf auch nicht in vorgesehenen Feuerstellen Feuer gemacht werden. Sie erfahren hierzu alles im örtlichen Touristenbüro (Turistbyran) oder z.B. bei Ihrem Kanu- oder Fahrradverleih. Kleine Campingkocher dürfen immer benutzt werden.
  • Wenn Sie ein Feuer machen, wählen Sie steinigen oder kieseligen Untergrund mit unbewachsenen Rändern. Halten Sie genügend Wasser zum Löschen im Notfall bereit. Verhindern Sie in jedem Fall Funkenflug. Lassen Sie das Feuer ausbrennen und löschen Sie die Glut, bevor Sie das Feuer verlassen.
  • Machen Sie niemals Feuer auf einem Felsen! Dieser kann durch die einseitige Hitzeeinwirkung platzen bzw. zerbrechen und Sie und die nähere Umgebung somit gefährden!
  • Legen Sie keine Folienverpackungen etc. ins Feuer, da somit Müll zurückbleibt.
  • Bevor Sie den PLatz verlassen, sorgen Sie dafür, dass die Feuerstelle nicht mehr sichtbar ist (z.B. Grube graben und Asche vergraben).
  • Als Feuermaterial dürfen herumliegende Äste, Zweige und Zapfen genutzt werden, aber es dürfen keine Bäume ganz oder teilweise gefällt bzw. beschnitten werden.

private Grundstücke

  • Grundsätzlich dürfen Sie privaten oder öffentlichen Grund und Boden betreten oder fremde Gewässer benutzen, ausgenommen davon sind Hausgrundstücke, Ferienhausgrundstücke, Schonungen und Felder bzw. Äcker.
    Betreten bzw. befahren Sie nicht unerlaubt solch privat gekennzeichnete Grundstücke z.B. für den Kanutransport, zum Fotografieren o.ä.. Ist kein Grundbesitzer anzutreffen, so gelten immer die angebrachten Schilder.
  • Gleiches gilt für das Übernachten, egal ob Camping, Zelten oder Wohnmobil abstellen.
  • Weidegatter sind nach Passieren wieder korrekt zu verschließen.
  • Sie dürfen baden, wandern, Fahrrad fahren, reiten, Ski fahren und vorübergehend mit einem Boot anlegen und an Land gehen, aber nicht auf Hausgrundstücken, Ferienhausgrundstücken oder Stegen bei Anlegeverbot, auch wenn diese Grundstücke nicht eingezäunt sind. Einzig ein Notfall kann dies rechtfertigen. Wenn Sie ein privates Hausgrundstück oder Ferienhausgrundstück ohne eindeutige Erlaubnis des Besitzers überqueren oder sich darauf aufhalten, dann gilt dies nach schwedischem Recht als Hausfriedensbruch!

Tiere

  • Hunde müssen vom 01. März bis 20.August an der Leine geführt werden.
  • Um Tiere zu fotografieren, halten Sie den Mindestabstand ein. Wenn Tiere nervös werden und weglaufen bzw. auffliegen bzw. fortschwimmen, dann haben Sie sich zu sehr genähert. Wenn z.B. Küken aus dem Nest verscheucht werden, haben sie oft Probleme zurückzufinden und damit zu überleben.
  • Beachten Sie genau, wo der Vogel, den Sie beobachten oder fotografieren möchten, sich aufhält, wie er sich verhält und wo damit sehr wahrscheinlich sein Nest ist: Fischadler z.B. kreisen über Ihrem Nest, häufig in der Spitze einer Tanne am Ufer oder auf einer kleinen Insel.
  • Sind Sie mit dem Kanu unterwegs, achten Sie auf eine Kükenschar. Am besten warten Sie, bis die Küken sich entfernt haben. Sind Sie mit mehreren Kanus unterwegs, dann sammeln Sie sich und fahren Sie an der Kükenschar zügig vorbei, ohne diese auseinander zu sprengen.
  • Wenn Sie Ihr Kanu an Land holen, um weiterzufahren und es an einem anderen See wieder zu Wasser zu lassen, stellen Sie sicher, dass alle Teile und das Zubehör abgetrocknet werden. In Skandinavien gibt es die Krebspest, die sich durch solche Unachtsamkeit verbreitet.

Pflanzen

  • Sie dürfen wilde Beeren sammeln, Pilze suchen und wilde Blumen pflücken, sofern diese nicht unter Naturschutz stehen. Beeren- und Blumenkulturen dürfen nicht angetastet werden.
  • In Schweden dürfen z.B. Orchideen nicht gepflückt werden, da vollständig unter Schutz stehend (z.B. auf Gotland wachsen wilde Orchideen)

Angeln

  • Das Fischen mit üblichem Sportangelgerät ist an allen Küsten und den 5 größten Seen lizenzfrei erlaubt: Ausnahme: Lachsfang an der Küste Norrlands.
  • Für alle anderen Gewässer benötigen Sie einen Angelschein.
  • Trolling, Fischen mit Netz und Gabelangeln sowie ähnliches sind nicht erlaubt bzw. nur erlaubt bis ausdrücklicher Genehmigung.

Fahrzeuge

  • Die Benutzung von Wasser-Skootern ist nur an dafür gekennzeichneten Stellen erlaubt.
  • Das Fahren im Gelände mit Auto, Wohnmobil, Motorrad, Moped oder Mofa ist verboten, auch das Allemansrätt schafft hier kein Ausnahme!



















die Praxis

Natürlich werden jetzt alle erfahrenen Skandinavien-Reisenden spontan Fälle nennen können, wo sie an eigentlich verbotenen Stellplätzen bzw. Zeltplätzen gestanden bzw. übernachtet haben, und kein Schwede hat etwas dazu gesagt bzw. geschimpft.

Und: Die schwedische Polizei ist nicht allgegenwärtig, oder mit deutschen Verhältnissen verglichen: Man sieht sie eigentlich gar nicht.

Aber: Die Schweden sind ein sehr ordnungsliebendes Volk, sie achten sehr genau auf Gesetze und deren Einhaltung: Wo die Schweden im Auto lieber 10 km/h langsamer als erlaubt fahren (wo wir Westeuropäer immer mindestens 10 km/h schneller als erlaubt fahren ...) , genau so werden gesetzesverletzende Camper sehr deutlich von den Einheimischen auf ihr Vergehen hingewiesen. Dann wird es meistens peinlich für den Camper, insbesondere wenn 500 Meter weiter ein Campingplatz ist!
Und: Dies ist keine `Korintenkackerei´, `Erbsenzählerei´ oder was auch immer, sondern ganz einfach die innige Verbundenheit mit ihrer Natur, von der und mit der sie leben müssen und möchten. Respektieren Sie diesen Respekt!

In Internet-Foren wird das Jedermannsrecht in allen Variationen interpretiert und ausgelegt. An so einem Unsinn werde ich mich hier nicht beteiligen. Selbstverständlich ist auch das schwedische Jedermannsrecht auslegbar, aber man sollte es nicht auf die Spitze treiben. Die Schweden haben mit diesem Recht schon ein sehr großzügiges Recht, von dem sich viele viele Länder eine Scheibe abschneiden sollten. Dies ist aber kein Grund, typisch deutsch gegenüber den Schweden als Besserwisser aufzutreten und sie über ihr eigenes Recht belehren zu wollen. Da halte ich es mit Dieter Nuhr: "Einfach mal die Schnauze halten."

TIPP:

  • in der Zeit der schwedischen Sommerferien (ca. Mitte Juni bis Mitte August) ist es voll auf den Campingplätzen, aber selten überfüllt. 99,9% aller campenden Schweden nutzen in dieser Ferienzeit die Campingplätze, und es besteht sehr wenig Verständnis insbesondere für ausländische Wohnmobil-Fahrer, die meinen, sie könnten sich über alle Gesetze und insbesondere über das Allemansrätt hinwegsetzen und machen, was und wo sie wollen. Nutzen Sie also insbesondere im Juni, Juli und August die Campingplätze bzw. die erlaubten Stellplätze, auch wenn dort schon ein zweites Wohnmobil steht!
    Wintercamping und ähnliche Marotten anderer Völker in ihren großzügig ausgestatteten Wohnmobilen kommen in Schweden sehr `exotisch´ rüber. Ich will nicht sagen, dass man zwischen September und Mai machen kann, was man will, aber da Campingplätze, Yachthäfen etc. dann sogar meistens geschlossen haben, hat man doch mehr Möglichkeiten hinsichtlich Übernachtungsplätzen, auch argumentativ.
  • Fahrradfahrer haben es deutlich leichter, denn Fahrradreisen ist in Schweden sehr hoch angesehen, aber deswegen noch lange kein Volkssport. Jede Schwede reißt sich ein Bein aus, einem Fahrradreisenden zu helfen, und wenn es bei Dämmerung und schlechtem Wetter ein Fahrradfahrer nicht mehr weiter schafft, dann stehen ihm fast alle Möglichkeiten offen. Aber fragen sie vorher, im Idealfall müssen Sie nicht einmal Ihr Zelt auspacken und aufbauen, sondern können in familiärer Atmosphäre einen tollen Abend genießen. Wer freundlich fragt, wird freundlich aufgenommen!